Versicherungen und IoT: Daten sinnvoll nutzen

In deutschen Haushalten steigt die Anzahl vernetzter Geräte stetig. IoT-fähige Geräte und Sensoren in Wearables und Co. verwandeln das Zuhause in ein Smart Home, um die Wohn- und Lebensqualität zu steigern. Die entstehenden Echtzeit-Daten können dabei aber nicht nur das eigene Leben vereinfachen, sondern auch durch Versicherungen gewinnbringend genutzt werden.

Zwischen Prozessoptimierung und Kundennutzen

Versicherungen haben das Potenzial der Menge an Daten erkannt, müssen die Möglichkeiten aber in Einklang mit den Vorteilen für Kunden und dem Datenschutz bringen. Denn die so gewonnenen Daten in Kombination mit Daten, die Versicherungen bereits nutzen, können einige Erkenntnisse liefern.
Vorteile ergeben sich vor allem durch die Möglichkeit, Daten zur Anpassung von Prozessen und Risikoanalysen zu nutzen. Man verspricht sich ein schnelleres Reagieren und ein Entlasten des Versicherungsnehmers. Ein Beispiel bietet das Schadenmanagement mit etwa automatisierter Schadensmeldung oder auch einer vollständig automatisierten Abwicklung von Schadensfällen. Im Ernstfall könnten vernetzte Geräte und die automatische Meldung sogar Leben retten, sei es bei Feuer oder auch bei Einbruch.

Persönliche Prämienmodelle

Versicherungen könnten durch die Analyse von Daten, die durch vernetze Geräte nutzbar gemacht werden, außerdem ganz individuelle, zum Beispiel nutzungsbasierte Versicherungsangebote (Usage Based Insurance, UBI) unterbreiten. Im “besten” Fall müssten Versicherungsnehmer dann weniger zahlen. Die digitale Berliner Versicherung FRIDAY beispielsweise setzt bei ihrer Kfz-Versicherung bereits auf Fahrdaten aus Sensoren und GPS, um Kunden individuelle Angebote zu bieten: “FRIDAY Kunden zahlen nur für das, was sie wirklich fahren“.

Herausforderung: Genaue Daten

Um dank der Daten zu sinnvollen und nachvollziehbaren Maßnahmen zu kommen, braucht es absolut korrekte Daten. Und Versicherer müssen mit diesen auch arbeiten können. Dazu sind Investitionen in IT-Infrastrukturen wie Plattformen und Schnittstellen notwendig, aber auch in Fachpersonal wie Data-Science-Experten.
Wer garantiert aber, dass Hausbesitzer Geräte und Sensoren selbst richtig installieren oder handhaben können? Um das Risiko zu minimieren, müssten Versicherer schon selbst ans Werk und Installationen übernehmen. Doch in diesem Fall könnte auch das Vertrauen der Versicherungsnehmer auf der Strecke bleiben.

Unser the_thing Fazit

Vorausgesetzt offene Gerätestandards etablieren sich, dann sind Daten auch für Versicherungen Gold wert. Doch wenn Daten aus Sensoren demnächst die Versicherungsprämien diktieren, könnte Misstrauen folgen. Und wollen wir wirklich, dass Versicherungen wissen, ob wir genug Wasser getrunken haben, ob wir uns bewegen oder wie schnell wir fahren?

Gefällt den Versicherungen nicht, was die Daten hergeben, könnten dadurch unsere Versicherungsprämien steigen. Solche Szenarien verschärfen die Vorbehalte der Deutschen ganz allgemein gegen Smart-Home-Anwendungen. Laut der Smart-Home-Studie von Bitkom sorgen sich bereits jetzt ganze 62 % der Befragten um den Datenschutz. Andererseits könnten individuelle Prämien natürlich auch zu einem nachhaltigeren und gesünderen Leben beitragen, wie es beispielsweise das Start-up FRIDAY bereits zeigt: Das Zahl-was-du-fährst-Modell setzt Anreize, das Auto stehen zu lassen.