Wie leistungsfähig ist das Starlink-Satelliten-Internet?

Wenn Glasfaseranschlüsse in Deutschland vielerorts immer noch fehlen und auch das Mobilfunknetz oft zu wünschen übrig lässt, kann dann Satelliten-Internet die Lösung sein? Auf diese Frage will eine Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen im Auftrag des Bunedsverbandes Breitbandkommunikation (BREKO) Antworten liefern und hat dazu das Satelliten-Internet von Starlink unter die Lupe genommen.

Breitband-Internet über Satelliten

Elon Musks SpaceX betreibt das Satellitennetzwerk Starlink, mit dem er weltweit Internet anbieten und eine globale Abdeckung der bevölkerten Gebiete erreichen will. Bereits an die 1.800 Satelliten soll das Unternehmen in die niedrigere Erdumlaufbahn gebracht haben. Durch die Nähe der Satelliten zur Erde sollen hohe Geschwindigkeiten mit niedriger Latenz erreicht werden können.
Aktuell befindet sich das Netz im Aufbau und in der Beta-Phase. Es seien deswegen noch unterschiedliche Datengeschwindigkeiten von 50 Mbit/s bis 150 Mbit/s und Latenzzeiten von 20 ms bis 40 ms zu erwarten. Doch eine globale und stabile Verbindung wird angestrebt: Nach Abschluss der Phase 3 sollen fast 42.000 Satelliten weltweit platziert werden – auch wenn das noch nicht als sicher gilt. Schließlich konkurrieren inzwischen einige LEO-Satellitennetze, um die Ressourcen, etwa Amazons Project Kuiper oder das britische OneWeb. LEO steht hier für Low Earth Orbit und damit für Satelliten, die sich nah an der Erde in geringer Höhe bewegen: auf einer niedrigen Erdumlaufbahn.

Reicht die Leistungsfähigkeit?

Kann Starlink nun eine ersetzende Alternative für Glasfasernetze bis in Gebäude (FTTB, Fibre to the Building) und Wohnungen (FTTH, Fibre to the Home) mit bis zu 10 Gbit/s in Deutschland sein? Prof. Dr.-Ing. Kristof Obermann kommt in der Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen zu dem Ergebnis, dass dem nicht so ist. Ein Problem liege an der begrenzten Bandbreite für Funkverbindungen. Außerdem werde eine flächendeckende Versorgung mit Bitraten von mindestens 100 Mbit/s im Download nicht möglich sein. Die Studie hat hierzu errechnet: “Mit sehr optimistischen Annahmen kann mit dem Starlink-Netz nach Abschluss der Phase 3 (fast 42.000 Satelliten) weltweit eine Kapazität von 2.344.298 Gbit/s und in Deutschland eine Kapazität von 6.684 Gbit/s im Downlink bereitgestellt werden. Bei einer Überbuchung von 1:20 (Planbitrate bzw. minimale Bitrate 5 Mbit/s) lassen sich damit in Deutschland max. rund 1,3 Mio. Teilnehmer mit einer Anschlussbitrate von 100 Mbit/s versorgen, was für eine flächendeckende Versorgung viel zu gering ist.”
Noch dazu seien die Latenzen von Glasfasernetzen zumindest für Verbindungen innerhalb von Deutschland geringer als die des Starlink-Netzes. Nur wenn zwischen Teilnehmer und Zielserver mehr als 1.080 km Entfernung liegen würden, könne Starlink bei der Latenz punkten: aufgrund der größeren Ausbreitungsgeschwindigkeiten von Funksignalen in Luft bzw. Vakuum. Ab dieser Entfernung habe Glasfaser in der Folge eine höhere Latenz.
Fazit ist an dieser Stelle schon: Als Ersatz für Glasfaser insgesamt wird Starlink allein technisch nicht dienen können und wird im besten Fall nur ein komplementäres Angebot sein.

Weitere Grenzen des Satelliten-Internets

Nicht nur, dass es ungewiss ist, ob Starlink die geplante Phase 3 auch ausrollen kann und wird: Auf das Satelliten-Internet kommen auch noch andere Hürden zu:

Potenzial für ländliche Gebiete

Trotz der Grenzen hat Starlink dennoch Potenzial. Denn aktuell bestehende Technologien, ob Glasfaser oder auch LTE und 5G, können nicht alle Gebiete erschließen. An diesen Orten kann Starlink als sinnvolle Ergänzung gesehen werden. Überall dort, wo zumindest eine Sichtverbindung möglich ist, kommt Starlink in Frage, beispielsweise in ländlichen Gebieten aber auch in Wüsten oder Meeren. Außerdem ist Satelliten-Internet über Starlink besonders für Anwendungen interessant, die auch über weite Entfernungen (laut der Studie bei mehr als 1080 km) eine geringe Latenz benötigen.

Unser the_thing Fazit

Dass Satelliten-Internet im Kommen ist, steht außer Frage. Das Wettrennen um den Platz in der Erdumlaufbahn hat längst begonnen: Auch Amazon will mit Tochterunternehmen Project Kuiper ein eigenes Satellitennetzwerk aufbauen und hat dazu angeblich nicht nur das Satelliten-Team von Facebook engagiert, sondern will in den nächsten Monaten weitere 55.000! Arbeitsplätze schaffen, viele davon für das Projekt. Doch Kräftemessen hin oder her: Aktuell sind die Kosten für Satelliten-Internet im Vergleich zu Glasfaser und Mobilfunk noch viel zu hoch, um flächendeckend erfolgreich sein zu können. Außerdem muss noch geklärt werden, welche Nebenwirkungen die große Anzahl an LEO-Satelliten haben könnte, wenn sie in der Atmosphäre verglühen oder wenn sie heller als Sterne leuchten. Zu guter Letzt: Für viele IoT-Anwendungen reichen zudem auch höhere Latenz-Zeiten. Wenn es nicht auf Echtzeit-Reaktion ankommt, ist deswegen in entlegenen Regionen auch Internet über Geo-Satelliten spannend, wie es aktuell etwa mit Mioty getestet wurde.